Elterninfo

Eingewöhnungszeit

Die Bedeutung der Eingewöhnungszeit
 
Der Übergang aus der Familie in die noch unbekannte Kindertagesstätte bedeutet für jedes Kind eine grosse Herausforderung. Versuchen wir, die Dinge mit den Augen des Kindes zu sehen, so wirkt zwar die neue Umgebung in der Kindertagesstätte sehr spannend, bietet jedoch viel Neues auf einmal an:
 
-          Neue Umgebung und Räume
-          Neuer Tagesablauf
-          Fremde Leute
-          Andere Kulturen
-          Anderer Erziehungsstil
-          Neue Ess-Situation
-          Andere Spielmöglichkeiten
-          Neue Aktivitäten
-          Andere Sprache
-          Ablösung von zu Hause
 
 
All dies fordert vom Kind Lern- und Anpassungsleistungen. Es muss sich an neue Situationen, einen veränderten Tagesablauf und an die mehrstündige Trennung von den Eltern gewöhnen. Daher ist die Unterstützung der Eltern während der Eingewöhnungszeit enorm wichtig.
 

 

Die Fragen des Anfangs

 
Vom Kind an Mutter / Vater:
 
Wirst du meine Angst verstehen, weil alles für mich fremd ist?
 
Wirst du so lange bei mir bleiben, bis ich vertraut bin?
 
Wirst du auch meine Neugier verstehen und mich ausprobieren lassen?
 
Bist du einverstanden, dass ich gerne hier bin,
wenn ich mich nicht mehr fremd fühle?
 
Magst du meine Betreuerinnen und die andern Kinder?
 
Von Mutter / Vater ans Kind:
 
Wirst du ohne mich auskommen?
 
Wirst du mich vermissen?
 
Wirst du die Betreuerinnen vielleicht lieber mögen als mich?
 
Wird es dir hier gut gehen?
 
Das Verhalten des Kindes in der Eingewöhnungssituation
 
Alle Kinder bauen in ihren ersten Lebensmonaten besondere Beziehungen zu Personen ihrer engsten Umgebung auf, in unserem Kulturkreis also zumindest zu ihren Eltern. Diese Bindungspersonen sind dabei keineswegs nur blosse Bekannte für das Kind und können durch solche auch nicht ersetzt werden. Sie dienen dem Kind als so genannte „sichere Basis“ bei der Erkundung seiner Umwelt. Spätestens vom siebten Monat an beginnt das Kind, den Kontakt zu diesen besonderen Bindungspersonen zu suchen und sie gegenüber anderen Personen zu bevorzugen. Besonders in Stresssituationen (u. a. fremde Umgebungen, fremde Personen, aber auch Erkrankungen, Schmerz, etc.) benötigen die Kinder die Anwesenheit und die Aufmerksamkeit solcher Bindungspersonen, um ihr „inneres Gleichgewicht“ halten oder wieder herstellen zu können.
 
 
Fragen vom Kind an die Betreuerin:
 
Wirst du mir Zeit lassen, dich kennenzulernen?
 
Wirst du mich beschützen und unterstützen?
 
Wirst du mich trösten, wenn ich traurig bin?
 
Wirst du meine Mutter / meinen Vater mögen?
 
 
 
Fragen von der Betreuerin ans Kind:
 
Wirst du leicht Zugang zu mir finden?
 
Werde ich deine Signale verstehen und herausfinden, was du brauchst?
 
Wirst du mit den anderen Kindern zurechtkommen?
 
 
Was können die Eltern tun
 
Die Eltern können dem Kind die Anpassung an die neue Umgebung erleichtern, wenn zu Hause über den bevorstehenden Aufenthalt in der Kindertagesstätte gesprochen wird. Ein liebgewonnener Gegenstand (z.B. Kuscheltier, Nuscheli, Kissen, etc.) kann für das Kind während der Trennungsphase oder beim Einschlafen in der noch unvertrauten Umgebung sehr hilfreich sein.
Die Beteiligung der Eltern an der Eingewöhnung  ihrer Kinder ist von zentraler Bedeutung. Die Eltern müssen dabei gar nicht viel tun. Ihre blosse Anwesenheit im
Raum genügt, um für das Kind eine „sichere Basis“ zu schaffen, an die es sich jederzeit wenden kann, wenn es sich überfordert fühlt. Während dieser Zeit kann die Betreuerin das Kind, seine Interessen, Vorlieben, Rituale und Ängste kennen lernen. Sie übernimmt im Beisein der Eltern in zunehmendem Masse die Versorgung des Kindes und bietet sich als Spielpartnerin an. Somit nutzt sie schrittweise die Möglichkeit, für das Kind in Abwesenheit seiner Eltern, die Funktion der „sicheren Basis“ zu übernehmen. Gleichzeitig dient die Eingewöhnung als gegenseitiges Kennenlernen von Eltern und Betreuerinnen. Die Eltern sollten sich während der ersten Tage nicht vom Interesse ihrer Kinder an der neuen Umgebung und ihrem lebhaften Verhalten zu der Annahme verleiten lassen, ihre Anwesenheit sei schon jetzt entbehrlich. Die Selbstsicherheit der Kinder bei der Erkundung der neuen Umgebung gründet sich gerade auf ihre Anwesenheit. In den meisten Fällen würde es damit schnell vorbei sein, wenn sie sich ohne Begleitung in der Kindertagesstätte aufhalten müssten.
 
 
Fragen von Mutter / Vater an die Betreuerin:
 
Wird sie mein Kind mögen und verstehen?
 
Kann ich von meinen Ängsten sprechen, von meinen Zweifeln, vielleicht auch meinem Misstrauen?
 
Wird sie mein Kind an sich reissen?
 
Wird sie in Konkurrenz zu mir treten?
 
 
Fragen von der Betreuerin an Mutter / Vater:
 
Wird sie/er mich als Betreuerin ihres/seines Kindes akzeptieren?
 
Wird sie/er für Gespräche mir gegenüber offen oder verschlossen sein?
 
Empfindet sie/er mich als Konkurrentin oder Partnerin?
 
Wie bewertet sie/er meine Art zu arbeiten?
 
 
Die Dauer der begleiteten Eingewöhnungszeit
 
Die Eingewöhnung in Begleitung eines Elternteils kann, je nach Verhalten des Kindes individuell unterschiedlich, zwischen fünf bis zehn Tagen, im Einzelfall auch länger dauern. Durchschnittlich dauert die Eingewöhnungszeit 1 Monat. Das Kind besucht in dieser Zeit die Kita nur stundenweise. Es ist wichtig dafür genügend Zeit einzurechnen.
Die Grundphase dauert drei Tage. In dieser Zeit besuchen die Kinder mit dem begleitenden Elternteil die Kindergruppe ein bis zwei Stunden pro Tag.
Am vierten Tag kann eine vorläufige Entscheidung über eine kürzere oder längere von den Eltern begleitete Eingewöhnungszeit definiert werden. Die Eltern verabschieden sich kurz nach der Ankunft vom Kind und verlassen den Gruppenraum, bleiben jedoch in der Nähe. Protestiert das Kind bereits bei der Verabschiedung, geht den Eltern nach, beginnt zu weinen und lässt sich nicht trösten, ist eine längere Eingewöhnungsdauer nötig. Eine kürzere Phase ist angezeigt, wenn das Kind nur eine geringe Reaktion zeigt und weiterspielt, wenn die Eltern den Raum verlassen. Es lässt sich, falls es protestiert oder zu weinen beginnt, beruhigen und trösten.
 
 
Während der restlichen Eingewöhnungsphase ist es wichtig, dass sich die Eltern, wenn sie den Raum verlassen, vom Kind verabschieden. Eltern sollten sich nicht „wegschleichen“; sie setzen damit das Vertrauen des Kindes aufs Spiel. Zudem ist es hilfreich, ein Abschiedsritual mit dem Kind einzuführen. Amerikanische Untersuchungen zeigen, dass eine kurze Verabschiedung durch die Eltern beim Kind weniger Protest und Unsicherheit hervorruft als längere Abschiedssequenzen. In den ersten Tagen sollte die Beschränkung auf halbe Besuchstage unbedingt beachtet werden. Wickeln, Füttern, Schlafenlegen und Aufstehen sind heikle Momente, die zeigen wie sicher sich das Kind in der neuen Umgebung fühlt.
Kinder die bei der Aufnahme in die Kindertagesstätte zwei Jahre und älter sind, zeigen oft andere Verhaltensweisen als jüngere Kinder. Bisherige Erfahrungen bestätigen jedoch die Erwartung, dass auch für die älteren Kinder eine begleitete Eingewöhnungszeit sehr wichtig ist.
 
 

Zur Unterstützung

 
Vom kitaRo ans Kind:
 
Wir werden dich herzlich willkommen heissen.
 
Wir wissen, dass eine grosse Umstellung, viel Neues und Unbekanntes auf dich zukommt.
 
Wir werden dich unterstützen und begleiten.
 
Wir sind für dich da, wenn du uns brauchst.
 
Wir freuen uns, wenn es dir hier gefällt.
 
 
 
 
 
Wir freuen uns auf das Zusammensein
und heissen Eltern und Kind herzlich willkommen!
 
Textauszüge aus dem Buch „Ohne Eltern geht es nicht“
von Hans-Joachim Laewen, Beate Andres und Éva Hédervári. Luchterhand-Verlag