Über kitaRo

Pädagogisches Konzept

Zielsetzungen für den pädagogischen Bereich
 
Grundgedanken

 
Kleine Kinder gelten als die besten Lerner der Welt (Elschenbroich, 2001). Sie sind von Geburt an mit einem Wahrnehmungs- und Motivationssystem ausgestattet, das sie befähigt, aktiv mit den auf sie einwirkenden Reizen umzugehen. Die Säuglingsforschung beschreibt das Neugeborene als ein kompetentes Wesen, das von sich aus aktiv wird, seine Erfahrungen organisiert und auf seine Umwelt interaktiv einwirkt, um sie immer besser zu kontrollieren und Handlungsfähigkeit zu erlangen. Durch die ständige Auseinandersetzung mit der Umwelt und die Konfrontation mit neuen Erfahrungen werden die Sinne weiterentwickelt und differenziert. Dabei motivieren Freude an der Aktivität, Interesse an Neuem und die Suche nach Regelmässigkeiten von Anfang an das kindliche Verhalten.
Kinder lernen im Rahmen von sozialen Austauschprozessen. In ihren Bemühungen, sich die Welt und deren Sinnhaftigkeit zu erschliessen, sind sie auf andere Menschen angewiesen. Diese gewährleisten nicht nur das Überleben, sie geben dem Kind über ihr eigenes Verhalten auch Rückmeldungen über die Wirksamkeit seiner Handlungen. Dabei eignen sich Kinder nicht nur Kenntnisse und Fähigkeiten an, sondern erwerben auch die Bedeutung von Begriffen und Symbolen sowie von kulturellen und gesellschaftlichen Praktiken, Regeln und Werthaltungen. Einerseits sozialisiert sich das Kind, will entsprechend seines Entwicklungsstandes in der Gesellschaft mitwirken, mitentscheiden und mitgestalten können. Andererseits entwickeln sich das Selbstgefühl und die Selbstverantwortung; das Kind entwickelt sich als gesellschaftliches wie auch individuelles Wesen.
 
Pädagogische Haltung
 
Aus dem oben erwähnten Zusammenhang ergeben sich wichtige Grundsätze für die Gestaltung der pädagogischen Arbeit in der kitaRo:
 
Kinder sind aktive Lerner
Kinder haben das Bedürfnis, selbständig handeln zu können. Sie lernen als aktive Beobachter, Teilnehmer und Gestalter ihrer Umwelt. Um die Welt zu erfassen, zu verarbeiten und zu verstehen, nutzen sie alle ihnen zur Verfügung stehenden Sinne. Sie erschliessen sich interessante Zusammenhänge, erfassen Vorgänge und Situationen und lernen die Einzelaspekte der Welt sinngebend zu einem Ganzen zusammenzufügen. In diesen Prozessen eignen sie sich neue Fertigkeiten, Kompetenzen und Wissen an und bereichern ihr vorhandenes Wissen durch neue Erfahrungen.
 
Kinder lernen in sozialen Zusammenhängen
Lernen ist immer in soziale Zusammenhänge eingebettet. Somit wird es zu einer kooperativen und kommunikativen Aktivität. In Interaktionen mit verschiedenen sozialen Partnern begreifen Kinder ihre Umwelt. Eltern, Verwandte, Erzieherinnen und Freunde sind die zentralen Interaktionspartner der Kinder. Entlang ihrer Aussagen, Deutungen und Herangehensweisen werden eigene Handlungen und Erkenntnisse vollzogen, überprüft, verändert und kulturelle Praktiken erworben. Die altersgemischten Gruppen ermöglichen den Kindern einen optimalen Rahmen sich mit dieser Fähigkeit auseinanderzusetzen.
 
 
Kinder lernen durch spielerische Aktivität und aktives Spiel
Spielen ist für die Kinder die geeignete Form der Aneignung von Wissen, der Bewältigung von Erfahrungen und des kreativen Ausdrucks von Gefühlen. Kinder erwerben im Spiel ein Verständnis von sich und der Welt. Wichtig sind ausreichend Zeit und Raum für individuelles und soziales Spiel. Geeignete und vielfältige Materialien unterstützen die Spontaneität und Kreativität der Kinder. Die Kinder bekommen Zeit um sich im Freispiel ihren eigenen Interessen widmen können.
 
Emotionale Sicherheit und Zuwendung bieten die Basis für kindliche Lernprozesse und die Entwicklung des Selbst
Kommunikation und der Aufbau sozialer und emotionaler Beziehungen sind kindliche Grundbedürfnisse und eine notwendige Bedingung für Lernen und Selbstentwicklung. Dafür sind verlässliche Ansprechpartner unverzichtbar, denn wer emotionale und soziale Sicherheit und Geborgenheit erfährt, kann auch sein eigenes Handeln und Erleben in einen sozialen Kontext einbinden.
 
Kinder lernen durch Teilhabe und Aushandlung
Demokratisches Bewusstsein und Handeln entwickeln sich durch die direkte Beteiligung und Verantwortung eines jeden Individuums in seinem sozialen System. Deshalb brauchen Kinder ihrer Entwicklung angemessenen Beteiligungs-, Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten, die sich auf gemeinschaftliche Regeln, die Gestaltung der Räume, die kurz- und mittelfristige Planung von Aktivitäten u.v.m. richten. Wir unterstützen damit die Entwicklung einer gesunden Autonomie des Kindes.
 
Kinder haben das Recht auf Anerkennung ihrer Individualität
Kinder benötigen die Anerkennung ihrer eigenen Besonderheit durch andere. Dazu gehört, dass sie als gleichberechtigte Wesen geachtet werden und mit ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten in die Planung und das alltägliche Tun einbezogen werden.
 
Gestaltung einer anregenden Lern- und Erfahrungsumwelt
Räume und (Spiel)-Materialien sind Elemente der Umwelt, die zur aktiven Auseinandersetzung und Erkundung auffordern. Eine gestaltete Umwelt ermöglicht Spielen, Lernen, Bewegung und sozialen Kontakt. Sie bietet Anregungen in vielfältiger, aller Sinne ansprechender und entwicklungsangemessener Form. Die Gestaltung des Umfelds, der Räume und Materialien sollen eine Balance zwischen Stetigkeit und anregender Veränderung ermöglichen und somit ein wichtiger Impuls für die Entwicklung der Kinder sein.
Damit sich ein Kind optimal entfalten kann in der Kita empfehlen wir eine maximale Aufenthaltsdauer von 10 Stunden. Die vielen Reize, Eindrücke und Erlebnisse welches es beim Spielen und Lernen in der Kita erlebt, sind für ein Kind genau so anstrengend wie ein Arbeitstag.
 
Dialog und Impuls
Kinder brauchen engagierte und interessierte Kommunikations- und Interaktionspartner, die zuhören können und sich mit den Kindern gemeinsam auf die Suche nach Neuem machen. Aufmerksames Beobachten und Zuhören sind dabei Voraussetzungen, um Bedürfnisse und Interesse der Kinder wahrzunehmen und gezielte Impulse im Spiel, bei geplanten Aktivitäten und Projekten zu setzen.
 
 
Sicherung der Lern- und Entwicklungschancen für alle Kinder
Betreuerinnen unterstützen und wertschätzen jedes Kind so wie es ist und fördern dieses wohlwollend. Sie pflegen einen professionellen Umgang mit allen Kindern, egal welcher Herkunft oder Sprache sie haben. Es ist wichtig, Begegnungen und Verständigung zwischen verschiedenen Individuen in gegenseitiger Anerkennung und Toleranz zu fördern. Darum integrieren wir nach Möglichkeit auch Kinder mit Defiziten und Beeinträchtigungen um ihnen und den anderen Kindern die Chance zu bieten sich zu integrieren und voneinander zu profitieren.
Wir halten die Entwicklungsschritte im Portfolio mit Fotos und Lerngeschichten fest. Die jährlich angebotenen Standortbestimmungsgespräche fassen die Entwicklung des Kindes zusammen. Der ressourcenorientierte Lotusplan visualisiert zudem einzelne Stärken des Kindes.
 
Zusammenarbeit
Die kitaRo strebt eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und einen von Vertrauen und Offenheit geprägten Umgang mit den Familien der betreuten Kinder an. Die sozialen und kulturellen Hintergründe der Kinder sowie ihre aktuellen und entwicklungsspezifischen Bedürfnisse werden in die Gestaltung der pädagogischen Arbeit berücksichtigt. Auf Informationen und Beteiligung von Eltern wird eingegangen.
 
Eingewöhnung
Der Übergang von Zuhause in eine Kita ist eine sensible Phase im Leben eines Kindes. Damit wir diese Zeit möglichst nach den Bedürfnissen des Kindes gestalten können ist es wichtig, dass Sie sich ca. 2-3 Wochen vor dem eigentlichen Eintrittsdatum Zeit nehmen mit dem Kind gemeinsam die Kita zu besuchen. Am Anfang nur stundenweise und danach kontinuierlich während längerer Zeit, in der ihr Kind auch schon ohne Sie in der Kita bleibt.
Während der Eingewöhnung ist eine konstante Betreuungsperson für Ihr Kind zuständig. Somit kann Ihr Kind eine sichere Beziehung zu ihr aufbauen.
Jede Eingewöhnungsphase wird individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes angepasst.

 

Erziehungsziele

Psychomotorik

 
Wir wollen die Grobmotorik fördern, indem wir:
•      Bewegung (austoben, klettern, hüpfen, Fussball spielen etc.) durch Spaziergänge, den Spielplatz und das „Gumpe im Zimmer“ ermöglichen
•      Geschicklichkeitsspiele machen
•      Rhythmik anbieten
 
Wir wollen die Feinmotorik fördern, indem wir:
•      Das Zeichnen und Basteln ermöglichen
•      Malen, kneten, reissen, kleben
•      Den Umgang mit Schere und Leim üben
•      Die Möglichkeit zum Werken bieten (Werkbank)
•      Die Kinder beim Kochen und alltäglichen Dingen mithelfen lassen
•      Fingerverse aufzählen
•      Puzzles und Konstruktionsspiele (Lego, Steckspiele) anbieten
 

Wahrnehmung

 
Wir wollen die Wahrnehmung fördern, indem wir:
•      Die Aufmerksamkeit der Kinder auf verschiedene Sinneswahrnehmungen lenken und diese gemeinsam verbalisieren, riechen, schmecken, hören, betasten und fühlen
•      Sinnesspiele anbieten (Wasser, Sand, „barfuss gehen“, Rhythmik etc.)
 

Sprache

 
Wir wollen die Begriffsbildung, Verständnisfähigkeit, Ausdrucksfähigkeit und Mitteilungs- fähigkeit fördern, indem wir:
•       Bilderbücher, Lieder, Verse, Rollenspiele und Musik einsetzen
•       Den Kindern Raum geben, um ihre eigenen Erlebnisse erzählen zu können.
•       Falsch ausgesprochene Wörter richtig wiederholen ohne zu werten
•       Neue Wörter erklären und einführen, um den Wortschatz zu vergrössern
•       Mit den Kindern phantasieren und philosophieren
 

Kognition

 
Wir wollen die Kombinationsfähigkeit und das Schliessen von logischen Schlüssen fördern, indem wir:
•      Die Fragen der Kinder beantworten und selbst Fragen stellen
•      Verbote und Konsequenzen begründen
•      Altersentsprechende Lernsituationen schaffen (im Alltag; mit Lernspielen)
•      Den Kindern Raum geben selbst Erfahrungen zu machen
•      Die Kinder auf logische Schlüsse aufmerksam machen
 
 

Emotionen

 
Wir wollen, dass die Kinder ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken, ausleben und verarbeiten können. Dies streben wir an, indem wir:
•       Eine gelöste und warme Atmosphäre vermitteln
•      Unsere eigenen Gefühle, unser Befinden mitteilen und es erklären (Ursache - Wirkung). Somit bleiben wir kongruent (echt).
•      Die individuellen Persönlichkeiten der Kinder und der Erwachsenen achten und akzeptieren
•      Sie darin unterstützen die eigenen Gefühle und Empfindungen auszudrücken und auszuleben: Freude - lachen, glücklich / Trauer, Schmerz - weinen / Wut - schreien, wütend / Durst - trinken / Hunger - essen etc.
•      Trotzmomente zulassen und diese begleiten
•      Insbesondere Gefühle der Trauer und des Heimwehs akzeptieren, zulassen und die Kinder bewusst darauf ansprechen
•      Beim Säugling auf Mimik, Gestik und Laute eingehen
•      Körperlichen Schmerz der Kinder nicht verniedlichen

 

Soziabilität

 
Kontaktfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Frustrationstoleranz und Beziehungsfähigkeit der Kinder wollen wir fördern durch:
•      Die Möglichkeit des selbständigen Austragens von Konfliktsituationen ohne sofortige Einmischung der Erwachsenen
•       Direkte Kommunikation der Kinder untereinander (nicht über die Betreuungspersonen)
•       Handlungen und Aktivitäten, die das „Wir-Gefühl“ der Gruppe fördern (ich / ich du / wir)
•       Teilen der Spielsachen
•       Kurzfristiges Aufschieben der eigenen Bedürfnisse im Interesse anderer (Rücksichtnahme, Resilienz)
•       Das Lernen der Kompromissbereitschaft bei verschiedenen Meinungen
•       Das Unterstützen der Beziehungen innerhalb der Kindergruppe
 
 

Selbständigkeit

 
Wir wollen die Kinder in ihrer Selbständigkeit fördern durch:
•      Vormachen, ermutigen, wiederholen, unterstützen, bestätigen, loben und Geduld zeigen (z.B. beim An- und Ausziehen, Puzzles, einfachen Hausarbeiten)
 
Konkrete Beispiele:
•      Das Kind beim selbständigen Tun gewähren lassen und Hilfe leisten, wenn es sie fordert
•      Freiraum für eigene Entscheidungen gewähren
•      Grenzen aufzeigen und Wahlmöglichkeiten anbieten
•      Aufnehmen der Impulse und Ideen
•      Mithelfen beim Aufräumen
•      Selbständiges „Schnittestreichen“ und „Wassereinschenken“
•      Geschirr abräumen und selber das Essen auf den Teller schöpfen
•      Das Einbeziehen in Alltagssituationen (Einkaufen, Kochen, Menuplanung, Wäsche waschen und zusammenlegen)
•      Unterstützung beim Trockenwerden durch motivieren und ermuntern ohne Druck auszuüben
•      Selbständiges Händewaschen, Zähneputzen und eigene Körperpflege
 
 
 
Wir halten die Entwicklungsschritte im Portfolio mit Fotos und Lerngeschichten fest. Die jährlich angebotenen Standortbestimmungsgespräche fassen die Entwicklung des Kindes zusammen. Der ressourcenorientierte Lotusplan visualisiert zudem einzelne Stärken des Kindes.
Laufend wollen wir die Zielsetzungen überprüfen, ergänzen um später unsere wichtigsten Qualitätsbereiche genau definieren zu können.
 
 
 
kitaRo , Ende 2004 / Ende 2008 / Ende 2014